Sonderausstellung zu Moritz Röbbecke

Aus dem Nachlass von
Moritz Röbbecke
Ausstellung auf Schloss Drachenburg 28.03. – 27.10.2018

Moritz Röbbecke wurde am 13. Januar 1857 in Meerane (Sachsen) geboren. Mit 14 Jahren ging er nach Leipzig, um sich als Zeichenlithograph ausbilden zu lassen. Gleichzeitig besuchte er Abendkurse an der Kunstgewerbeschule. Nach seiner Ausbildung arbeitete er in einer Dresdner Buchhandlung. Ab 1877 studierte Röbbecke an der Akademie der Bildenden Künste München Malerei. Im Jahr 1882 errang er als Meisterschüler bei Gabriel von Max die „Große Silberne Medaille“.

Aufgrund seiner soliden Ausbildung und seines „intensiven Studiums der Alten Kunst“, insbesondere der Renaissance, bekam Röbbecke ab 1894 vom Prinzen Georg von Preußen aus Berlin zahlreiche Aufträge, berühmte Werke Alter Meister aus den großen europäischen Museen für dessen Privatgemächer zu kopieren. Unter den 25 Kopien befinden sich unter anderem Werke nach Rembrandt, Tizian, Raffael und Leonardo da Vinci. Eine eigene Ausstellung mit seinen Kopien im Jahr 1900 in Berlin, wo sich Moritz Röbbecke zwischenzeitig niedergelassen hatte, brachte ihm die Bezeichnung „ein Phänomen als Kopist alter Bilder“ ein. Er selbst betrachtete sich nicht als „Nachahmer der Alten“, sondern als „Schüler der alten Meister“. Mit den zeitgenössischen Stilrichtungen wie Impressionismus, Jugendstil und gar später Expressionismus konnte er sich nicht anfreunden.

1905 erhielt Röbbecke für ein Doppelbildnis zweier seiner Künstlerfreunde die Goldmedaille. Neben seinen Hauptwerken in der Porträtkunst und den Kopien Alter Meister entstanden auch zahlreiche Landschaften, Interieurs sowie Ausschmückungen von öffentlichen Gebäuden.
Eine Krankheit zwang ihn 1914 mit der Malerei aufzuhören. Er zog sich aus der Öffentlichkeit zurück und siedelte nach Dresden-Blasewitz über. Dort verstarb Moritz Röbbecke am 30. April 1916.

Einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, dass der einzige in Deutschland lebende Nachkomme Moritz Röbbeckes, bei dem sich ein kleiner Teil dessen künstlerischen wie biografischen Nachlasses erhalten hat, in den 1930er Jahren Schüler der auf Schloss Drachenburg ansässigen Katholischen Heimschule St. Michael war. Zeitlebens eng mit dem Schloss verbunden, ging dieser Nachlass nach seinem Tod auch auf Wunsch der Erben zu einem großen Teil als Leihgabe an Schloss Drachenburg über. Dieser Nachlass liefert einen aussagekräftigen Querschnitt des künstlerischen Schaffens Moritz Röbbeckes und bildet in Teilen den Inhalt der Ausstellung auf Schloss Drachenburg.

Dauerausstellung zur Schlossgeschichte

Mit der Übernahme von Schloss Drachenburg 1989 durch die Nordrhein-Westfalen-Stiftung endet vorerst eine sehr wechselvolle Schlossgeschichte. Anfänglich als Villa für einen Börsenmann erbaut, wurde die Drachenburg später für Touristen geöffnet. Die Anlage beherbergte ein Frauengenesungsheim und diente zudem als Wohnsitz reicher Fabrikanten. Mehrmals war das Schloss als Schule eingerichtet, stand aber auch lange Jahre leer und geriet in Verfall.

Die Gebäude und Räume erfuhren viele Umbauten je nach Nutzungsform und Geschmack der Besitzer. Die Restaurierungsarbeiten haben die frühere Pracht der Erbauungszeit wieder zum Vorschein gebracht. Heutzutage lädt das Schlossensemble die Besucher ein, die Wohnkultur des späten 19. Jahrhunderts zu erleben. In der Dauerausstellung zur Schlossgeschichte in der Ebene unterhalb der Schauräume können Sie auf eine Reise durch die bewegte Geschichte dieses Bauwerks gehen. Anhand von Bildern, Originalobjekten und kurzen Erläuterungstexten lernen Sie die einzelnen Besitzer und Nutzer kennen, die das Schloss vor der NRW-Stiftung prägten. Ein Geschichtsfilm, in einzelnen Kapiteln den verschiedenen Nutzungsphasen zugeordnet, vertieft die Informationen auf spannende Art und Weise.

Dauerausstellung zur Restaurierung und Rekonstruktion

1989 erwarb das Land NRW das Schlossensemble für 8 Millionen DM und übertrug es der Nordrhein-Westfalen-Stiftung zur Wiederherstellung. Bei der Übernahme war der bauliche Zustand katastrophal, kostbare Originalsubstanz jedoch so umfangreich erhalten, dass eine weitgehende Rekonstruktion des einzigartigen Originals für alle Beteiligten möglich und geboten schien. Die denkmalgerechte Wiederherstellung erfolgte in enger Kooperation mit dem Land Nordrhein-Westfalen und der Stadt Königswinter. Zu Beginn fanden sorgfältige Voruntersuchungen statt, aus denen die Planer ein umfangreiches Gutachten erstellten. Nach ersten Notsicherungsmaßnahmen begannen die Arbeiten mit der Sanierung der großen, als Fundament dienenden Terrasse.

In weiteren Bauabschnitten wurden der Nordturm, die Kunsthalle und schließlich der Wohntrakt mit seinen aufwändigen Innenräumen sorgsam restauriert und nach historischen Quellen rekonstruiert. An der äußerst komplexen Gesamtmaßnahme waren insgesamt mehr als 30 Institutionen, 65 Planungsbüros und Sachverständige sowie rund 270 Firmen und Handwerksbetriebe beteiligt. Rund 3.500 Personen ließen in 20-jähriger Tätigkeit ein einmaliges Ensemble der Gründerzeit wiederauferstehen.

In der Wagenhalle von Schloss Drachenburg ist diesen aufwendigen Maßnahmen eine eigene Dauerausstellung gewidmet. Anhand von ausgewählten Beispielen werden hier den Besuchern anschaulich die Arbeitsweisen der Restauratoren näher gebracht. Durch eindrucksvolle Großfotos, Originalobjekte und Werkstücke können die Gäste die Arbeiten an den Naturwerksteinen, der Dachsanierung und den Wandgestaltungen im Inneren nachvollziehen. Die große Restaurierung ist gleichsam die jüngste Phase in der der bewegten Geschichte des Ensembles Schloss Drachenburg und versteht sich als Fortführung der Dauerausstellung zur Schlossgeschichte.